Wie meine Kindheit meinen Traum vom Eigenheim geprägt hat
Manchmal braucht es nur einen einzigen Moment, der einen Traum entstehen lässt. Für mich war es der erste Besuch in einem einfachen Reihenhaus. Seitdem wusste ich: Eines Tages möchte ich genau so leben. Dies ist die Geschichte darüber, wie meine Kindheit diesen Wunsch geprägt hat.

Ich bin im Münchner Problemviertel aufgewachsen – einem Stadtteil, den viele als sozialen Brennpunkt bezeichnen. Ein Ort mit vielen Plattenbauten, einer großen kulturellen Vielfalt und Menschen, die oft mit schwierigen Ausgangsbedingungen ins Leben gestartet sind.
Dort zählten weniger Eloquenz oder Herkunft als vielmehr Stärke, Durchhaltevermögen und Selbstbewusstsein. Für meine Eltern war der Ort ihres Neuanfangs. Sie waren vor dem Krieg nach Deutschland geflüchtet und mussten sich hier ein völlig neues Leben aufbauen. Auch wir begannen bei null und arbeiteten uns Schritt für Schritt nach oben. Rückblickend war diese Kindheit prägend. Sie hat mich geformt und den Grundstein für meinen weiteren Lebensweg gelegt – bis hin zu dem Wunsch, eines Tages in einem ruhigen Vorort zu leben.
Schon als kleines Kind hatte ich einen großen Traum: Ich wollte irgendwann ein eigenes Haus besitzen. Ich gehörte zu den wenigen Kindern in meinem Umfeld, die ohne eigenes Kinderzimmer aufgewachsen sind und deshalb über mich lustig gemacht wurde. Wir lebten zu viert auf rund 70 Quadratmetern. Mein Zimmer war gleichzeitig das Wohnzimmer. Einen Ort, an den ich mich zurückziehen konnte, gab es praktisch nicht. Wenn ich Ruhe brauchte, war trotzdem immer jemand da.
Genau dort entstand der Wunsch nach mehr Platz. Irgendwann kam dann der Tag, an dem ich zum ersten Mal ein ganz normales Reihenmittelhaus betreten durfte. Von außen wirkte es unscheinbar, doch für mich eröffnete sich eine völlig neue Welt. Plötzlich gab es mehrere Etagen, einen kleinen Garten mit Blick aufs weite Feld, eine Treppe nach oben, eine nach unten und Räume, die sich ganz anders anfühlten als alles, was ich bis dahin kannte. Ich weiß noch genau, dass ich eigentlich nichts anderes machen wollte, als ständig die Treppen rauf- und runterzulaufen. Für andere Kinder vielleicht selbstverständlich – für mich war das etwas Besonderes. In diesem Moment entstand mein Traum vom eigenen Reihenhaus.
Heute weiß ich natürlich, dass Doppelhaushälften oder Einfamilienhäuser oft großzügiger geschnitten sind als klassische Reihenhäuser. Doch damals spielte das überhaupt keine Rolle. Für mich war der Sprung von einer Drei-Zimmer-Wohnung in ein Fünf-Zimmer-Haus riesig. Auf gut deutsch gesagt, war es für mich ein regelrechter Quantensprung. Dieses Erlebnis hat sich tief eingebrannt und mich über Jahrzehnte begleitet. Es war einer dieser Momente, die man nie wieder vergisst und die sich dauerhaft im Kopf festsetzen (Rent free for Life).
Ab diesem Erlebnis entwickelte sich in mir unterbewusst das Ziel, hart dafür zu arbeiten, mir diesen Traum eines Tages selbst erfüllen zu können. Besonders meine erste bewusst erlebte Reise als Kind in die USA zu meinen Verwandten in Texas verstärkte diese Sehnsucht. Für mich war dort alles eine Nummer größer – die Häuser, die Straßen, die Autos und die Grundstücke.
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