DIY-Lackreparatur Mercedes: Stoßstange selbst lackieren (Teil 2)
Ein Lackschaden an der hinteren Stoßstange meines Mercedes B 250 – und die Frage: Bekommt man das mit einer Spraydose wirklich selbst sauber hin? In Teil 2 geht es ans Grundieren, Schleifen und Lackieren. Das Ergebnis: Vom ursprünglichen Schaden ist am Ende fast nichts mehr zu sehen.

Delle zurückformen und den Schaden begutachten
Die hintere Stoßstange hatte eine leichte Delle. Da die Stoßstange aus Kunststoff besteht, konnte ich sie mit einem Schraubenzieher vorsichtig wieder weitgehend in ihre ursprüngliche Form zurückbiegen. Nachdem sie wieder in die Ursprungsform zurückgedrückt wurde, war nur noch der Riss vorhanden.
Leider hatte ich vorher kein Foto von der beschädigten Stelle gemacht. Deshalb habe ich versucht, den ursprünglichen Zustand mithilfe von KI zu reproduzieren. Das Ergebnis kam dem tatsächlichen Schaden ziemlich nahe:

Den Riss mit Kunststoffschweißen reparieren
Im ersten Schritt musste die beschädigte Stelle mit einem Kunststoffschweißgerät wieder zusammengefügt werden. Das funktionierte erstaunlich gut: Das Schweißgerät erhitzt die Metallklammern und brennt sie dadurch in den Kunststoff ein.
Wichtig ist dabei vor allem das richtige Timing. Hält man das Gerät zu lange an einer Stelle, besteht die Gefahr, dass man komplett durch den Kunststoff schmilzt.
Nach dem Verschweißen sah das Ergebnis zunächst so aus:

Überstehende Klammern entfernen und Fläche begradigen
Anschließend musste die reparierte Stelle wieder begradigt werden. Dazu werden die überstehenden Metallteile der eingeschweißten Klammern entfernt. Mit einem Winkelschleifer und der passenden Scheibe ließen sie sich problemlos abtrennen und die Fläche anschließend entsprechend bearbeiten. Mit ein wenig handwerklichem Geschick und einer halbwegs ruhigen Hand ist auch dieser Arbeitsschritt gut zu bewältigen. Am Ende sollte die Fläche ungefähr so aussehen:

Dabei sollte man sich nicht davon abschrecken lassen, dass die bearbeitete Fläche zunächst immer größer wird. Das lässt sich bei dieser Art der Reparatur kaum vermeiden und ist für die nächsten Arbeitsschritte sogar notwendig.
Reparaturstelle mit 2K-Kleber verstärken
Im nächsten Schritt kommt 2K-Kleber zum Einsatz. Dieser wird großzügig auf die reparierte Stelle aufgetragen und sollte idealerweise über Nacht vollständig aushärten. Bei mir hat ein Tag vollkommen ausgereicht, da ich den Schaden an einem warmen Sommertag bearbeitet habe. Ein großer Vorteil des 2K-Klebers ist übrigens, dass er sich nach dem Aushärten sehr gut schleifen lässt.

Schleifen und Unebenheiten mit Feinspachtel ausgleichen
Danach wird die mit 2K-Kleber bearbeitete Stelle mit P400-Schleifpapier geschliffen. Dabei wird so lange geschliffen, bis eine möglichst gleichmäßige und glatte Oberfläche entsteht. Ob die Fläche wirklich eben ist, lässt sich sehr gut mit den Fingern überprüfen. Unebenheiten, kleine Vertiefungen oder Rillen spürt man mit dem Finger bzw. Fingernagel häufig besser, als man sie mit bloßem Auge erkennen kann. Genau diese Stellen müssen anschließend mit Feinspachtel ausgeglichen werden, aber da mir leider genau dieser Schritt fehlt, habe ich lediglich im Bild die geschliffene Stelle vor dem spachteln hinzugefügt.
Dieser Schritt ist besonders wichtig: Bleiben Vertiefungen oder Unebenheiten bestehen, werden sie später nach dem Lackieren sichtbar. Das Ziel ist deshalb eine möglichst gleichmäßige und glatte Oberfläche, bei der keine Übergänge oder Vertiefungen mehr zu spüren sind.
Mein Tipp: Mit geschlossenen Augen mit dem Finger über die Stelle fahren und fühlen, ob noch ein Unterschied zu erkennen ist. Ist das nicht mehr der Fall, ist die Stelle für den nächsten Arbeitsschritt vorbereitet.

Grundieren und den Übergang zum alten Lack vorbereiten
Danach wird die beschädigte Stelle grundiert – bei mir ist die Grundierung grau. Am besten wirklich nur den Bereich grundieren, an dem sich der Schaden befand.
Sobald die Grundierung vollständig und entsprechend der Herstellerangaben abgelüftet bzw. getrocknet ist, wird sie nass geschliffen. Dabei beginnen wir mit P600.
Ganz wichtig ist anschließend der Übergangsbereich zum intakten Lack: Wir schleifen nicht nur die grundierte Fläche, sondern arbeiten uns auch etwa drei Fingerbreit in den gesunden Lack hinein.
Danach erweitern wir die bearbeitete Fläche schrittweise mit immer feinerem Schleifpapier: zuerst P800, anschließend P1000 und zum Schluss P2000. Dadurch wird die insgesamt angeschliffene Fläche zunehmend größer, gleichzeitig aber immer feiner angeschliffen.
Das Ziel dieser Abstufung ist ein möglichst gleichmäßiger und unsichtbarer Übergang zwischen dem alten und dem neuen Lack. Nach der Lackierung sollte mit bloßem Auge nicht mehr erkennbar sein, wo der alte Lack endet und der neu lackierte Bereich beginnt.

Basislack auftragen und einen weichen Übergang schaffen
Danach kommt die Lackierdose mit dem passenden Farbton zum Einsatz. Vorher alles schön abkleben und die Blätter wie auf dem Bild falten, damit keine harten Kanten entstehen.Den benötigten Farbcode findet ihr bei eurem Fahrzeug in der Regel an der Fahrer- oder Beifahrertür bzw. im Bereich des Türrahmens. Bei meinem Mercedes B 250 ist es Calcitweiß mit dem Farbcode 650. Vor dem Lackieren wird die Spraydose zunächst etwa eine Minute lang kräftig geschüttelt, damit sich die Farbe gleichmäßig vermischt. Anschließend wird die vorbereitete Fläche mit etwas Fingerspitzengefühl lackiert. Dabei sprühen wir nicht ausschließlich auf die reparierte Stelle, sondern nebeln den neuen Lack leicht in die zuvor mit P800 bis P2000 angeschliffenen Bereiche des gesunden Lacks hinein. Wichtig ist, nicht abrupt an einer bestimmten Stelle aufzuhören, sondern den neuen Lack nach außen hin immer feiner auslaufen zu lassen. Hier solltet ihr lieber mehrere dünne Sprühgänge einplanen, anstatt zu versuchen, bereits beim ersten Durchgang eine vollständig deckende Lackschicht aufzutragen. Zwischen den einzelnen Durchgängen sollte der Lack ausreichend ablüften. Achtet außerdem darauf, nicht zu viel Farbe auf einmal aufzutragen. Wird die Lackschicht zu dick oder zu nass, können schnell unschöne Lackläufer entstehen – und im schlimmsten Fall müssen wir die Stelle erneut anschleifen und von vorne beginnen. Mit jedem weiteren Sprühgang lässt sich die Deckkraft kontrolliert erhöhen und gleichzeitig der Übergang zum vorhandenen Lack immer feiner gestalten. Auf diese Weise entsteht ein sanfter Übergang zwischen dem neuen und dem vorhandenen Lack. Ziel ist es, dass später mit bloßem Auge möglichst kein Unterschied mehr zwischen der reparierten Stelle und dem ursprünglichen Lack zu erkennen ist.

2K-Klarlack auftragen und trocknen lassen
Nach dem Auftragen des Basislacks unbedingt die entsprechende Ablüftzeit beachten. Anschließend kommt der 2K-Klarlack zum Einsatz. Auch hier arbeiten wir nicht mit einer einzigen dicken Schicht, sondern tragen den Klarlack in mehreren gleichmäßigen Sprühgängen auf die komplette vorbereitete Stelle auf. Nach dem Klarlack bekommt der zuvor eher matte Basislack seinen Glanz. Danach heißt es erst einmal: Geduld haben und den Lack vollständig trocknen lassen. Ich habe meinem Lack etwa drei Tage Trocknungszeit gegeben. Falls es in dieser Zeit regnet oder das Wetter generell nicht mitspielt, würde ich den Wagen nach Möglichkeit in einer Garage oder zumindest an einem geschützten Ort abstellen. Klarlack für die Politur nass schleifen
Nach etwa drei Tagen habe ich damit begonnen, die reparierte Stelle für die abschließende Politur vorzubereiten. Bei diesem Schritt habe ich mich nahezu 1:1 an der Vorgehensweise aus dem Video von ChrisFix orientiert:
ChrisFix – Lackreparatur und Politur auf YouTube – relevant für diesen Arbeitsschritt ist insbesondere der Abschnitt ab ca. 18:34 Minuten. Die komplette reparierte Fläche wird nun noch einmal vorsichtig nass geschliffen. Dabei habe ich mich schrittweise durch immer feinere Körnungen gearbeitet:
P1500 → P2000 → P3000 → P5000
Durch die immer feinere Körnung werden die Schleifspuren zunehmend reduziert und die Oberfläche für die anschließende Politur vorbereitet. Mit der Exzentermaschine auf Hochglanz polieren. Danach habe ich die Stelle mit einem harten blauen Polierpad und der Exzentermaschine mit Sonax EX 04-06 poliert – die verwendete Maschine hatte ich bereits in Teil 1 gezeigt. Dabei habe ich die Fläche gleichmäßig im Kreuzgang, also abwechselnd horizontal und vertikal, bearbeitet, bis der Glanz vollständig zurückgekommen ist.
Das Endergebnis: Die Reparatur ist unsichtbar



Und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen: Mit bloßem Auge ist von der Reparatur praktisch nichts mehr zu erkennen – selbst bei direktem Sonnenlicht. Erst wenn ich mit dem Finger über die reparierte Stelle fahre, lassen sich noch leichte Unebenheiten ertasten. Für eine selbst durchgeführte DIY-Lackreparatur mit Spraydosen bin ich mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Der Aufwand war zwar nicht gerade gering, aber für mich hat er sich definitiv gelohnt.
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